Montag, 4. Mai 2015

Wings for life world run; oder: mein Tagesausflug nach Darmstadt

Aufbruch und Anreise
Zum Glück hatte ich schon abends die Tasche gepackt, denn mein Aufbruch morgens verzögerte sich etwas auf Grund der Frage welche Schuhe ich anziehen sollte. Meine alten Adidas, die mich jetzt schon beinahe vier Jahre begleiteten habe ich nun endgültig fast entsorgt (also schonmal beiseite getan), da ich mittlerweile jedes Steinchen spüre. Aber welche Schuhe nimmt man zu so einem tollen Ereignis mit? Zwei Paar neue hatte ich mir vor kurzem gegönnt. Und beide schienen der tollen Aufgabe, vor dem Catcher Car davon zu rennen, gewachsen...der Adidas Boost und Puma Ignite. Gewonnen hatte nachher der Puma Ignite. Zusammen mit den Falke Socken, dank dieser Kombination habe ich heute eine Blase unterm Fuß. Entweder durch die Schuhe oder die Socken. Das gilt es vor dem Marathon noch unbedingt rauszufinden.
Die über 200 km weite Anreise nach Darmstadt war dann ein kleines Abenteuer für mich. Bis dato bin ich noch nie so weit alleine gefahren. Und vor allem auch nicht so viel Autobahn. Im Regen. Alleine. Zu erst war es fast lustig, dass mein Auto (ein alter Ford Fiesta) die Hügel kaum hoch kam. Auch dass das Radio andauernd nur rauschte, war noch ok. Aber als dann google maps den Geist auf gab kam ich mir dann doch etwas verloren vor.  Und nach dem ich dann auch noch eine Ausfahrt verpasst hatte (das sah überhaupt nicht nach Ausfahrt aus) war es erstmal ganz vorbei. Ich fuhr auf den nächsten Rastplatz, wo ich dann noch fast auf Grund der nassen Fahrbahn auf dem Rasen gelandet wäre, und ging erstmal zur Toilette und danach etwas an die frische Luft. Nach dem ich mich beruhigt hatte, stieg ich wieder ins Auto und startete google maps neu. Es führte mich über einen kleinen Umweg dann endlich nach Darmstadt. Doch dort in die Irre. Aber es war nicht seine Schuld. Die Straße, die ich eingegeben hatte, hatte ich von der worldrun-Internetseite. Dort sollte eigentlich der Parkplatz sein, von dem aus die Teilnehmer mit Shuttle-Bussen zum Startbereich gebracht werden sollten. Aber da war nichts. Kein Parkplatz, keine anderen Teilnehmer. Nichts. Nach einem kurzen Halt am Fahrbahnrand und der ganz kurzen Überlegung aufzugeben und nach Hause zu fahren, gab ich den Veranstaltungsort selber ein und siehe da. Dort gab es auch Parkplätze. Direkt in der Nähe vom Startbereich. Ganz großes Kino. Wieso einfach wenn es auch kompliziert geht?!
ABER: ich war endlich da!

Startunterlagenausgabe und das große Warten auf den Start
Auf Grund meiner ungewollten Zwischenstopps hatte ich statt der geplanten 2 Stunden fast drei Stunden nach Darmstadt gebraucht und obwohl ich immer einen Puffer von mindestens einer Stunde einbaue war ich für meine Verhältnisse spät dran und dementsprechend etwas genervt und abgehetzt. Dank der guten Beschilderung auf dem Veranstaltungsgelände fiel es allen Teilnehmern leicht sich zurecht zu finden. Man gelangte sofort zur Startunterlagenausgabe und wurde dort sehr freundlich vom Helferteam und auch von anderen Teilnehmern empfangen. Doch da erwartete mich schon das nächste Problem. Das erste, das den worldrun an sich betraf. Ich wußte meine Teilnehmernummer nicht. Normalerweise kenne ich das von Läufen, dass man eine email bekommt und dort die Start- bzw. Teilnehmernummer drin steht. Als ich jetzt die Aufteilung der Startunterlagenausgabe sah, bemerkte ich, dass ich nichts dergleichen in Erinnerung hatte. Ich schaute in der Starterliste der Internetseite nach. Mein Name stand dort aber keine Nummer. In meinen Emails stand auch nichts. Ich kam mir schon etwas blöd vor aber als ich mich umsah fiel mir auf, dass andere das gleiche Problem hatten und wir gingen zum Helpdesk. Dort wurde sofort mit Hilfe eines Laptops nachgeschaut und die Nummer sogar auf einem Zettel notiert. Sehr freundlich der junge Mann.
Mit der Nummer ging es dann zur nun länger gewordenen Warteschlange an der Startunterlagenausgabe. Mit den Startunterlagen ging es dann zu einer noch längeren Schlange, die auf das Teilnehmer-T-Shirt wartete. Mit dem ganzen Zeug unterm Arm machten wir uns auf den Weg zur Gepäckabgabe. Dort wurde alles sortiert, Teilnehmershirt angezogen, Startnummer befestigt und natürlich das abgegeben, was man während des Rennens nicht brauchte. Leider hatte ich auch die Tempos schon mit abgegeben, was ich bei den Dixieklos dann bitter bereute.
Um zehn nach zwölf wurden wir schon gebeten uns in den Startbereich zu begeben. Und wenn es anderen nicht auch so ergangen wäre, wäre ich mir spätestens jetzt echt blöd vorgekommen. Es gab Startblocks. Das hatte ich so auf der Internetseite auch schon gelesen. Aber woher wußte ich, in welchen ich mich einsortieren sollte? Keine Ahnung! Zurück zum netten Menschen am helpdesk, der bestimmt zum gefühlt tausendsten Mal seinen schlauen Laptop konsultierte um mir dann mitteilen zu können, dass ich in den letzten Startblock gehörte. Gut, wie er jetzt genau an diese Info gekommen ist, weiß ich nicht aber hauptsache ich wußte, wo ich hingehörte. Auf dem Weg zum Startblock noch ein paar Fotos gemacht und dann schnell aufgestellt.


Denn bis halb eins mussten alle in ihren Blöcken stehen. Eine halbe Stunde vor dem Start. Es mag sein, dass es dafür gute organisatorische Gründe gibt aber habt ihr schonmal eine halbe Stunde nur da gestanden und auf den Startschuß gewartet. Vor allem hat man ja da ganz hinten gar nicht mitbekommen, was vorne alles passierte. Ich hatte mit Begeisterung auf facebook gelesen, dass Mocki mitläuft und eine von den Hahnertwins. Ja super. Bei der Veranstaltung selber habe ich nichts davon mitbekommen. Es soll auch ein Prominenter den Startschuß abgefeuert haben...schön...für die Menschen da vorne. Hinten hat man einfach nur gewartet. Pünktlich um ein Uhr ging es dann mit den steifgestandenen Knochen endlich los.

Das Rennen
Die ersten Kilometer brauchte ich dann auch um warm zu werden. Aber da man im Hinterkopf wußte, dass das Catcher Car erst nach 30 Minuten würde, war das auch ok. Ich ließ mir Zeit. Ab und an gab ich mal etwas Gas aber so bald ich etwas lauter atmete, machte ich wieder langsamer. An den ersten beiden Verpflegungsständen hielt ich sogar an und trank erstmal gemütlich ein Wasser, eine Redbullschorle und aß einen Müsliriegel. Das hatte ich noch in keinem Lauf vorher getan...irgendwie hatte ich gedacht ich hätte alle Zeit der Welt. Doch ab Kilometer sieben fing der Verfolgungswahn an. Man wußte, das Catcher Car ist unterwegs und jedes noch so kleine Geräusch, das sich auch nur im entferntesten wie ein Auto anhörte, ließ einen den Kopf nach hinten drehen und panisch Ausschau halten. Auch nicht die beste Taktik möglichst weit zu kommen bei diesem Lauf. Am nächsten Stand hieß es das Catcher Car wäre in 12 Minuten da. 12 Minuten. Och jo. Da geht ja noch was...Pustekuchen. Kurz vor dem elften Kilometer kam dann die Vorhut des Catcher Cars und warnte uns Läufer vor, dass dieses fast da sei. Eine Teilnehmerin nahm mich und noch eine an die Hand und wir versuchten noch gemeinsam ein paar Meter gut zu machen. Kurz bevor es mich einholte griff ich dann zu meinem Handy (diesen Moment bin ich schon Tage vorher immer und immer wieder in meinem Kopf durchgegangen) und machte das heißersehnte Selfie.



Catcher Car und ich. Super. Das war es schon. Elf Kilomter geschafft. Ok. Gut. Und jetzt? Wir gingen alle erstmal bis zum nächsten Versorgungsstand. Irgendwo sollen doch hier Shuttlebusse auf uns warten und uns zurückbringen. Aber wo stehen die?

Shuttlebus und Gepäckausgabe
Einige von uns gingen die Strecke weiter, andere zurück. Bis wir schließlich auf jemanden trafen, der sich auskannte und uns zeigte, dass eine Shuttlebusstation etwas abseits der Strecke war. Gut, hätte man eventuell drauf kommen können, wenn man sich an die Infos erinnert hätte, die man vorher aufmerksam gelesen hat. Im Shuttlebus hieß es dann mal wieder warten. Diesmal wenigstens sitzend.
Endlich irgendwann am Veranstaltungsgelände wieder angekommen wollte ich eigentlich nur noch meine Sachen holen und dann nach Hause. Leider war das nicht so schnell möglich. Die, wenn auch sehr netten Menschen der Gepäckausgabe, waren hoffnungslos überfordert. Keine Ahnung woran es lag aber die suchten sich bei jedem minutenlang einen wolf. Manche hatten nachher so die Schnauze voll, dass sie über die Absperrung sprangen und sich ihren Rucksack selber suchten. Einige Helfer waren dafür fast dankbar und wenn es nicht dermaßen ausgeartet wäre, wäre es auch dabei geblieben. Aber das war so ein kuddelmuddel, dass ein Helfer zur Ordnung aufrief und alle sich wieder in Schlangen aufstellen ließ. Einige Teilnehmer boten sich als Helfer an und so bekam nach und nach jeder seinen Rucksack und/oder Starterbeutel wieder.
Das Rennen startete um 13 Uhr, ich lief ca eine Stunde und 15 Minuten. Um 16 Uhr war ich an meinem Auto. Das sagt doch alles, oder?

Rückfahrt
Der Rückweg gestaltete sich dann auch als nicht so einfach. Es regnete in Strömen; man sah zeitweise den Vordermann nicht mal. Dazu kam noch eine Gähnattacke nach der nächsten. Fast in Köln angekommen, stoppte dann auch noch der Verkehr, da es einen Unfall gegeben hatte. Aber gegen 18 Uhr 30 war ich dann endlich zu Hause und konnte die Füße hochlegen.

Mein Fazit
Was ein Tag. Klar, vieles das nicht so toll gelaufen ist. Aber alles in allem ein tolles Erlebnis. Und dieses Gefühl, wenn das Catcher Car hinter einem ist, ist echt einmalig. Das hast Du bei keinem anderen Lauf. Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei sein und versuchen die 15 km zu erreichen oder vielleicht sogar die 20km. Das mit dem Gepäck kann man ja umgehen, in dem man es im Kofferraum lagert. Und vielleicht fahr ich dann auch nicht selber sondern lasse mich fahren. Vor allem nach so einem Lauf ist das echt anstrengend. Oder ich fahre mit der Bahn hin. Aber dann entfällt die Sache mit dem Kofferraum... ich lasse mir was einfallen.

Später habe ich mir dann den Starterbeutel nochmal etwas genauer angesehen und muss sagen, die haben da ganz schön was reingepackt:
Der Beutel selber war auf dem Rückweg schon gerissen aber alleine für das Puma-Schweißband in meiner Lieblingsfarbe hat sich das ganze doch schon gelohnt. ;oP

Also nächstes Jahr auf jeden Fall wieder ABER nicht mit den Puma (die rutschen auch saustark bei Regen) und mit eigenem Fahrer, der mich kutschiert und mit Kofferraum!


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